Skip to main content

Raspberry Pi 4 (8 GB) als Proxmox VE Test-Node

Diese Anleitung beschreibt die Installation einer Proxmox-ähnlichen Virtualisierungsumgebung auf einem Raspberry Pi 4 mit 8 GB RAM.

Grundlage ist Debian 13 (Trixie) ARM64 mit einem Raspberry-Pi-kompatiblen Linux-Kernel. Die Proxmox-Komponenten werden über das Community-Projekt Pimox/PXVIRT bereitgestellt.

1. Voraussetzungen

  • Raspberry Pi 4 mit 8 GB RAM
  • USB-SSD mit mindestens 32 GB
  • Netzwerkkabel und Internetverbindung
  • Linux-PC zum Vorbereiten der SSD
  • Monitor und Tastatur für die Ersteinrichtung
  • Debian 13 ARM64

Eine USB-SSD ist für Container und virtuelle Maschinen deutlich besser geeignet als eine microSD-Karte.

2. Debian 13 herunterladen

Das Debian-Image für den Raspberry Pi wird als TAR.XZ-Archiv bereitgestellt. Eine ISO-Datei wird nicht benötigt.

Debian 13 ARM64 – Downloadverzeichnis

Auf dem Linux-PC ein Terminal öffnen und zu root wechseln:

su -

Benötigte Werkzeuge installieren:

apt update
apt install curl ca-certificates xz-utils tar

Arbeitsverzeichnis erstellen:

mkdir -p /root/raspi-pve
cd /root/raspi-pve

Debian-Image herunterladen:

curl -fL --retry 3 -O https://cloud.debian.org/images/cloud/trixie/daily/latest/debian-13-raspi-arm64-daily.tar.xz

Prüfsummen herunterladen:

curl -fL --retry 3 -O https://cloud.debian.org/images/cloud/trixie/daily/latest/SHA512SUMS

Download überprüfen:

sha512sum --ignore-missing -c SHA512SUMS

Nur fortfahren, wenn die Prüfsummenprüfung erfolgreich abgeschlossen wurde.

Archiv entpacken:

tar -xJf debian-13-raspi-arm64-daily.tar.xz

Im Verzeichnis sollte anschließend die Datei disk.raw vorhanden sein.

Hinweis: Für die Debian-13-Images wurde ein Bootproblem auf dem Raspberry Pi 4 gemeldet. Falls das Image nicht startet, siehe den Abschnitt Fehlerbehebung.

3. Debian auf die SSD schreiben

Die USB-SSD an den Linux-PC anschließen und alle angeschlossenen Datenträger anzeigen:

lsblk -o NAME,SIZE,MODEL,TYPE,MOUNTPOINTS

Beispiel:

sda    1.8T  Samsung SSD       disk
├─sda1
└─sda2
sdb  119.2G  USB SSD           disk
├─sdb1
└─sdb2

Im Beispiel ist /dev/sdb die gewünschte USB-SSD.

Achtung: Der folgende Vorgang löscht alle Daten auf dem ausgewählten Datenträger. Die Gerätebezeichnung muss unbedingt stimmen.

Falls Partitionen der Ziel-SSD eingehängt sind, diese vor dem Schreiben aushängen.

Das Zielgerät interaktiv auswählen:

read -r -p "Zieldatenträger (z.B. /dev/sdb): " ZIEL

test -b "$ZIEL" || exit 1
test "$(lsblk -dn -o TYPE "$ZIEL")" = "disk" || exit 1

lsblk -o NAME,SIZE,MODEL,MOUNTPOINTS "$ZIEL"

Nach erneuter Kontrolle das Schreiben bestätigen:

read -r -p "Alle Daten auf $ZIEL löschen? JA eingeben: " OK

if [ "$OK" = "JA" ]; then
    dd if=disk.raw of="$ZIEL" bs=4M status=progress conv=fsync
    sync
fi

Nach erfolgreichem Abschluss die SSD sicher entfernen und mit dem Raspberry Pi verbinden.

4. Debian erstmals starten

  1. SSD am Raspberry Pi anschließen.
  2. Netzwerkkabel verbinden.
  3. Monitor und Tastatur anschließen.
  4. Raspberry Pi einschalten.
  5. Debian vollständig starten lassen.

Die Debian-Raspberry-Pi-Images ermöglichen zunächst eine lokale Anmeldung als root ohne Passwort.

Direkt nach der Anmeldung ein eigenes root-Passwort festlegen:

passwd

System aktualisieren:

apt update
apt full-upgrade

Benötigte Pakete installieren:

apt install git curl ca-certificates openssh-server nano less

Einen normalen Benutzer für SSH anlegen:

adduser piadmin

SSH möglichst mit Schlüsselauthentifizierung einrichten. Eine direkte root-Anmeldung per SSH ist für diese Anleitung nicht erforderlich.

Hostname konfigurieren

hostnamectl set-hostname pve-pi4

Die Hostdatei bearbeiten:

nano /etc/hosts

Beispiel für einen zusätzlichen Eintrag:

192.168.178.50 pve-pi4.home.arpa pve-pi4

Die IP-Adresse entsprechend dem eigenen Netzwerk anpassen. Am besten im Router eine feste DHCP-Zuweisung für den Raspberry Pi erstellen.

Architektur und Kernel prüfen

dpkg --print-architecture
uname -r
cat /etc/os-release
ip -br addr

Die Architektur muss arm64 sein. Das Community-Projekt nennt Kernel 6.12 oder neuer als getestete Grundlage.

Nach einem Kernel-Update den Raspberry Pi neu starten:

reboot

5. Proxmox-Installation vorbereiten

Die Proxmox-Pakete werden über das Projekt Pimox ARM64 RPI Control installiert.

Pimox ARM64 RPI Control – GitHub

Am Raspberry Pi als root anmelden oder aus einer normalen SSH-Sitzung mit su - zu root wechseln.

Repository herunterladen:

cd /root
git clone https://github.com/topa-LE/pve-arm64-rpi-control.git
cd pve-arm64-rpi-control

Verwendeten Commit dokumentieren:

git rev-parse HEAD

Vor der Installation die Skripte überprüfen, insbesondere Änderungen an Netzwerk, APT-Quellen und Systemdiensten:

less build.sh
less scripts/02_prepare_system.sh
less scripts/04_configure_network_bridge.sh
less scripts/05_enable_vmbr0.sh
less scripts/06_add_proxmox_repo.sh
less scripts/07_install_proxmox_ve.sh

Der Installer nutzt ein externes PXVIRT-Repository. Außerdem verändert er die Netzwerkkonfiguration. Deshalb wird die Installation hier in zwei Abschnitten durchgeführt.

6. Netzwerk-Bridge einrichten

Wichtig: Diesen Abschnitt direkt am Raspberry Pi mit Monitor und Tastatur ausführen. Bei einer SSH-Verbindung kann der Netzwerkzugriff während der Umstellung verloren gehen.

Systemprüfung ausführen:

cd /root/pve-arm64-rpi-control
bash scripts/00_system_check.sh
bash scripts/01_hardware_report.sh

Basissystem vorbereiten:

bash scripts/02_prepare_system.sh

Dieses Skript installiert Netzwerkwerkzeuge und deaktiviert unter anderem WLAN und Bluetooth.

Netzwerkkonfiguration vorbereiten:

bash scripts/04_configure_network_bridge.sh

Prüfen, ob die kabelgebundene Schnittstelle tatsächlich eth0 heißt:

ip -br addr
ip route

Anschließend die Bridge vorbereiten. Im folgenden Beispiel wird eth0 verwendet:

IFACE=eth0 bash scripts/05_enable_vmbr0.sh

Das Skript richtet die Bridge vmbr0 ein und übernimmt die bisherige IPv4-Adresse und das Standardgateway.

Konfiguration kontrollieren:

cat /etc/network/interfaces

Wenn IP-Adresse, Gateway und Schnittstelle stimmen, den Raspberry Pi neu starten:

reboot

Nach dem Neustart sollte die Management-IP auf vmbr0 liegen.

7. Proxmox-Pakete installieren

Nach dem Neustart erneut als root anmelden.

Netzwerkverbindung prüfen:

ip -br addr
ip route
apt update

Die Installation erst fortsetzen, wenn die Netzwerkverbindung funktioniert.

In das Projektverzeichnis wechseln:

cd /root/pve-arm64-rpi-control

PXVIRT-Paketrepository einrichten:

bash scripts/06_add_proxmox_repo.sh

Verfügbare Proxmox-Pakete kontrollieren:

apt-cache policy proxmox-ve

Danach die angepassten Proxmox-Komponenten installieren:

bash scripts/07_install_proxmox_ve.sh

Nach erfolgreicher Installation die installierte Version kontrollieren:

pveversion -v

Raspberry Pi neu starten:

reboot

8. Proxmox-Weboberfläche

Nach dem Neustart kann die Weboberfläche über Port 8006 aufgerufen werden.

Beispiel:

https://192.168.178.50:8006

Login:

  • Benutzer: root
  • Passwort: Das zuvor gesetzte root-Passwort
  • Realm: Linux PAM

Die Weboberfläche verwendet anfangs möglicherweise ein selbstsigniertes TLS-Zertifikat.

9. System überprüfen

Proxmox-Version anzeigen:

pveversion -v

Kernel prüfen:

uname -r

Weboberfläche kontrollieren:

systemctl status pveproxy --no-pager

Netzwerk anzeigen:

ip -br addr

KVM-Verfügbarkeit prüfen:

ls -l /dev/kvm

Arbeitsspeicher und Datenträger prüfen:

free -h
df -h /
lsblk

Falls das Root-Dateisystem nicht die volle SSD-Kapazität verwendet, muss die Partitionierung separat geprüft und bei Bedarf erweitert werden.

10. Hinweise und Fehlerbehebung

Debian startet nicht

Für die Debian-13-Raspberry-Pi-Cloud-Images existiert ein gemeldeter Bootfehler mit der Partitionstabelle beziehungsweise Firmware auf dem Raspberry Pi 4.

Debian Bug #1130560

Bei einem Bootproblem zuerst die Fehlermeldung und den Stand des Bugs prüfen. Ein erneutes Schreiben desselben Images behebt einen Fehler im Image selbst nicht.

Weboberfläche nicht erreichbar

Zuerst den Netzwerkstatus und den Proxmox-Proxy prüfen:

ip -br addr
ip route
systemctl status pveproxy --no-pager

Kernel und Virtualisierung

Den funktionierenden Raspberry-Pi-Boot-Kernel nicht unkontrolliert ersetzen. ARM64-Container eignen sich für erste Tests. Virtuelle Maschinen benötigen passende ARM64-Gastsysteme und gegebenenfalls KVM.

Sicherheit

  • Port 8006 nur im internen Netzwerk erreichbar machen.
  • SSH möglichst auf Schlüsselanmeldung umstellen.
  • Keine Standardpasswörter verwenden.
  • Community-Pakete und Updates vor der Installation prüfen.
  • Vor größeren Änderungen ein Backup erstellen.
  • Den Raspberry Pi nur für Test- und Homelab-Zwecke einsetzen.

11. Weiterführende Dokumentation

Stand: Oktober 2026. Community-Installationsweg für Testsysteme; auf dem beschriebenen Raspberry Pi 4 nicht eigenständig getestet.